Marie Bornickel

Buchbesprechung: Ketzerschwestern

In Uncategorized on September 5, 2011 at 4:34 pm

Ketzerschwestern – ein mittelalterlicher Roman über Freidenker und Ketzer

„Wir beide sind verschieden, du und ich. Doch was auch passiert, wir sind Schwestern, und das bleibt!“

Zwei Mädchen in einem Schwesternhaus nahe dem mittelalterlichen Regensburg. Sie sind Zwillinge, doch während die eine sich ganz der Gartenarbeit wittmet, beschäftigt sich die andere mit einer neuen Denkschule aus Paris. „Auch eine Frau kann Papst sein“ „Das Fegefeuer gibt es nicht“ „Zur Beichte muss man nicht in die Kirche“; das sind Kernaussagen der neuen Glaubensbestrebung.  Zeitgleich steht der Besuch des Kaisers in der Stadt an. Damit verbunden ist auch das Auftauchen der „Schwarze Mönche“ – sie jagen Ketzer und Andersgläubige. Kathie sorgt sich immer mehr um ihre Schwester Ina, die sich mit gotteslästerlichen Dingen beschäftigt. Doch sie kann Ina nicht mehr umstimmen. „Manchmal muss man eben seinem Herzen folgen“ kann dieser nur erklären. Dann verschwindet Ina plötzliche. Kathie ist klar, sie muss ihrer Schwester helfen.

Lernen und Lesen

Arnulf Zitelmann ist Theologe mit einem Ziel: Er möchte die Geschichte spannend und erlebbar machen. Beides merkt man dem Buch an.  An vielen Stellen finden sich Bibelstellen wieder, die die Schwestern vorlesen, das klösterliche Leben richtet sich an den Tagen der Heiligen aus (was in einem ausführlichen Glossar erklärt wird). Auch rund um das Thema Kirche und Kloster im Mittelalter besitzt der Autor großes Wissen. Leider drückt die Intention, mit dem Buch mittelalterliche Geschichte zu lehren, immer wieder durch. Ich habe mich an vielen Stellen bevormundet gefühlt. Natürlich ist es spannend, zu erfahren, wie mit Glaubenszweifeln im mittelalter Umgegangen wurde. Paradoxerweise geht der Roman an keiner Stelle darauf ein. Dafür kann man nach einem Blick ins Glossar seinen eigenen Kalender anhand der Heiligen inklusive zugehöriger Bauernregeln ausrichten.

Schöne Sprache, flache Dramaturgie

Die Sprache ist der einzige große Pluspunkt des Romans. Einfühlsam beschreibt der Autor, die ganz besondere Beziehung der Zwillinge. Auch Kathies Verzweiflung kann der Leser toll nachvollziehen: „Mein Herz ist übervoll von Ängsten, Sorgen und Fragen, doch mit niemanden darf ich darüber reden. Nur mit Ina. “  Leider verhindert die Dramaturgie, dass sich die schöne Erzählweise des Autors zu einem mitreißenden, bewegenden Roman verpflichtet. Die erste Hälfte geht kaum auf den Glaubenswandel Inas ein. Zwar erfährt Kathie recht früh von dem Buch, doch steht das Weben eines Fastentuchs im Vordergrund. Erst im letzten Viertel hat der Leser das Gefühl: Jetzt passiert was. Allerdings bliebt die Spannungskurve auch hier eher flach. Nicht mal Inas Tod hat mich wirklich ergriffen. Der Inhalt von Inas ketzerischen Buches beleibt auffällig blass. Einige Zitate wiederholen sich im Buch, doch nach Begründungen sucht man vergeblich. Lediglich Kathies kurze Romanes hat mich wirklich berührt.

Ansprechende Covergestaltung, die nicht halten kann, was sie verspricht

Der Cover von „Ketzerschwestern“ ist wirklich sehr schön gestaltet. Darauf abgebildet ist eine junge Frau mit Hochsteckfrisur (die gefällt mir besonders gut). Rundherum zieht sich eine goldene Prägung. Wirft man einen genaueren Blick darauf, erkennt man Tiere und Menschen. Die Abdrücke alter Buchseiten schimmern auf dem Gewand der Frau. Würde ich das Buch in der Buchhandlung sehen, es wäre sofort einen zweiten Blick wert. Leider versprechen Cover und Klappentext viel zu viel. Ich hatte mir erhofft, etwas über Inas Glaubenswandel zu erfahren. Außerdem habe ich eine Flucht der Schwestern erwartet und eine deutlich stärkere Bedrohung durch die schwarzen Mönche. Ich hatte das Gefühl, bis kurz vor Schluss in der Einleitung des Buches hängen geblieben zu sein. Dieser Eindruck wurde dadruch verstärkt, dass einfach nichts Bedeutendes passierte. An einigen Stellen hätte ich das Buch fast aus der Hand gelegt. Dazu trug vor allem auch Kathie bei. Die Protagonistin ist so naiv, dass es teilweise weh tat. Ich konnte sie nicht verstehen, geschweige denn, mich mit ihr identifizieren.

Mein Fazit

„Ketzerschwestern“ hat eine Message: Zusammenhalt unter Geschwistern und den freien Glauben. Leider, und das finde ich wirklich sehr schade, verbirgt die schlecht geschrieben Handlung diese Botschaft unter einer ganz dicken Schicht. So bleibt nur am Ende ein vages Gefühl, dass es irgendetwas Besonders in diesem Roman gab. Empfehlenswert ist das Buch trotzdem nicht.

1 von 5 Sternen

Das Buch ist im Gabriel-Verlag erschienen. Die Rezension entstand im Rahmen des Projekts Blogg dein Buch.

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  1. Ketzerschwestern habe ich selbst gelesen.. so ein schönes Buch!

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