Marie Bornickel

Buchbesprechung: Das Herz der Nacht

In Uncategorized on Oktober 11, 2011 at 2:53 pm

Ich mag Fantasy und ich muss gestehen, dass ich auch der Biss-Saga von Stephanie Meyer nicht ganz abgeneigt bin. Allerdings habe ich mich von Vampirbüchern bisher fern gehalten. Der Hype rund um das Thema ist mir suspekt – nur weil die Idee Vampir trifft Mensch einmal geklappt hat, heißt das nicht, dass jeder noch so schlechte Autor über das Thema schreiben muss. Nun habe ich mich also an ein solche Buch herangetraut:

Zum Inhalt:
Wie zu erwarten, fängt das Buch mit der bekannten Story an: Ein blutiges Verbrechen an einem jungen Mädchen wird verübt. Die Stadtgardisten sind ratlos, der Leser muss sich kaum anstrengen, um hier den Vampir-Bezug herzustellen. Nach der Einleitung wechselt die Szene. Auch hier gibt es keine großen Neuerungen. Ein Gräfin kutschiert durch die Nacht, sie verliert die Kontrolle über ihre Kutsche und wird im letzten Moment von einem geheimnisvollen Fremden gerettet. Der Fremde wird allen Anforderungen an einen ordentlichen Vampir gerecht. Die Haut ist eisig, er bewegt sich übermenschlich schnell, kann scheinbar Gedanken lesen und im Dunkeln sehen. Nur die Gräfin sieht, fasziniert von ihrer neuen Bekanntschaft, über diese Merkmale hinweg (na klar, der Plot muss sich ja noch entwickeln, da kann nicht schon am Anfang alles aufgeklärt werden). Die beiden entwickeln eine engere Bekanntschaft. Die Gräfin Kinsky nimmt den jungen Mann mit auf unterhaltsame Abendveranstaltungen der Gesellschaft. Dort regt sich ein Wunsch im Vampir: er möchte Klavier spielen lernen. Von nun an scheint sich alles zum Guten hin zu entwickeln. Der Graf lenkt die Gräfin von ihrer unglücklichen Ehe mit ihrem untreuen und griesgrämigen  Gatten ab, der Graf lernt das Klavier zu beherrschen und deckt nebenbei das Familiengeheimnis seiner Lehrerin auf. Aller wäre schön, versuche da nicht jemand dem Grafen eine Mordserie an jungen Frauen anzuhängen. Erst befindet sich Blut in der Auffahrt des Vampirs, wenige Tage später findet sich ein Messer (die Mordwaffe?) auf seiner Türschwelle. Nun muss Graf Báthory herausfinden, wer ihm so übel mitspielt.

Meine Meinung:
Bis der Plot auf die Morde zu sprechen kommt, erfüllten sich meine geringen Erwartungen an das Buch. Dann aber wurde ich positiv überrascht. Aus der zunächst kitschigen Vampirgeschichte entspinnt sich beinahe ein waschechter Krimi – es wird spannend. An dieser Stelle möchte ich zu den Verbrechen selbst jedoch nicht mehr erzählen, um das Ende nicht vorweg zunehmen.
Der Roman „Das Herz der Nacht“ ist mehr als ein einfacher Fantasy-Roman. Ulrike Schweikert zeichent darin das Bild der Wiener Gesellschaft im 19. Jahrhundert. Es geht um Tanzveranstaltungen, den kürzlich verstorbenen Mozart und Theateraufführungen. Das Buch wirft einen Blick auf die Künstlerszene in Wien (die Gräfin Kinsky ist eine große Kulturliebhaberin) und auf die liebenswerten Eigenarten der Österreicher (Kaffeehäuser und Co.).  Darüber hinaus lässt sich das „Herz der Nacht“ als Geschichte der Emanzipation lesen. Therese Kinsky ist von ihrem gewalttätigen Mann abhängig. Dennoch behält sie ihren Stolz, spricht offen über seine Liebschaften und fordert für sich selbst Freiheiten ein. Unterstützt wird sie dabei von Báthory. Auch dessen Klavierlehrerin, Karoline Wallberg, kann mit Hilfe des Vampirs einen Schritt in Richtung Eigenständigkeit gehen. Sie ist die begabtere Klavierspielerin, ihr Bruder darf jedoch Konzerte geben und spielt Karolines Kompositionen. Dies hat zwei Gründe: Zum einen schickt es sich für Frauen mit gutem Ruf nicht, in der Öffentlichkeit zu musizieren. Zum anderen hat Karoline eine blinde Tochter, die von der gesamten Familie als „Schande“ angesehen wird. Báthory hilft ihr, ihre Situation zu reflektieren.

Fazit:
„Das Herz der Nacht“ greift die klassischen Vampir-Roman-Elemente auf. Durch die geschickte Einflechtung von gesellschaftlichen Themen gelingt es der Autorin jedoch sich aus dieser Nische zu befreien und ein schönes, eigenständiges Buch zu verfassen.

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