Marie Bornickel

Blogreview: Wulff auf allen Kanälen

In Botengang on Januar 5, 2012 at 12:51 am

Die „Causa Wulff“ ist nicht nur in den einschlägigen Medien täglich mit mindestens einem Artikel vertreten. Immer mehr Blogger scheinen sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Allein auf meiner Freshly Pressed Seite finden sich 13 von 19 Bloggs mit diesem Thema. Da stellt sich die Frage: Muss ich das aus? Bringt das Leser? Muss ein Blog  jedes „große“ Thema aufgreifen?

"Theo Müller" / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by)

"Theo Müller" / http://www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by)

Ein Blick in die Bloggosphäre zeigt: Vom Politblog bis zum „Ich-schreibe-das-was-mir-in-den-Sinn-kommt“-Blogg, jeder ist auf den Wulffzug aufgesprungen. Dummer Weise doppelt sich nun alles. Hin und wieder beschleicht den Leser das Gefühl, als befinde er sich in einer Szene a la „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Öffnet er einen neuen Blogg, so wiederholt sich das Karussel von Pressefreiheit, Verantwortung, Krediten und niedersächsischem Ministergesetz. Und noch etwas wird deutlich: Recherche macht den Unterschied. Viele kleinere Blogs begnügen sich damit, die eigene Meinung Kund zu tun, so zum Beispiel auf diesem Blog eines Pfarrers aus Essen.  Eine Meinungsäußerung scheint recht ungefährlich, schließlich bewerten die meisten Deutschen Wulffs Verhalten als inakzeptabel. Nach einer Umfrage von Tagesschau.de im Anschluss an Wulffs Interview heute halten 77,2 % (Stand: 23.16 Uhr) der 9368 Teilnehmer Wulffs Äußerungen für nicht überzeugend. Die Politblogs hingegen bieten mehr Fakten. Viel von ihnen erledigen ihre Arbeit gut. Schon nach kurzer Zeit stehe Analysen im Netz, gespickt mit Fakten und unter Verwendung seriöser Quellen. Diese Blogs werden von Journalisten, Politikwissenschaftlern und ähnlichem Klientel verfasst. Zu den informativen Blogs zählt unter anderem jender von Jacob Jung oder die Seite von netzpolitik.org  (vermarktet durch ZEITonline), die sich zumindest auch mit „Randerscheinungen“ wie der journalistischen Sperrfrist befasst.

"DANA radloff" / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc)

"DANA radloff" / http://www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc)

Politische Blogeinträge sind mit der heißen Nadel gestrickt, das ist dem sich ständig wandelnden Geschäft zuzuschreiben. Das da hin und wieder ein Flüchtigkeitsfehler unterläuft (da wird der Artikel zur Pressefreiheit von Art. 5 GG nach Art 6. GG verschoben), ist zu entschuldigen. Weniger Verständnis ist jedoch da angebracht, wo der Inhalt ad absurdum geführt wird. So schreibt das „Aktionsbündnis Direkte Demokartie“, das nach eigenen Angaben gegen die „EU-Diktatur“ vorgehen möchte:

„Wir gehen davon aus, dass Wulff „Dreck am Stecken“ hat. Aber: Wir gehen nicht davon aus, dass Wulff sehr viel mehr „Dreck am Stecken“ hat als Merkel und andere.

Diese hoch interessante Aussage wird leider nicht mit weiteren Ausführungen angefütter. Stattdessen folgen einige weiter Punkte, die den Bundespräsidenten zum Opfer einer Hetzkampagne machen und ihm eine Rolle im „Teil des Systems“ neben „Schäuble, Merkel und Köhler“ einräumen.

"Hermann Radeloff" / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by)

"Hermann Radeloff" / http://www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by)

Vielleicht sollte man im Chaos der Meinungeäßerungen folgende Aussage nicht vergessen: „Viele Menschen vertrauen vor allem bei „großen“ Themen immer noch auf die Berichterstattung der Tagesschau“ (Michael Strempel, ARD-Auslandskorrespondent in Paris). Auch wenn dieser Satz nach Selbsterhaltungsbeteuerung der öffentlich-rechtlichen Sender klingt, liegt in diesen Worten irgendwo ein wahrer Kern.

Ich bin übrigends zu dem Entschluss gekommen, dass bereits genug Kommentare zu Christian Wulffs Verhalten im Internet kursieren. Vielleicht wäre es an der Zeit, über die Rolle des Bundespräsidenten an sich und seine Beziehung zu den Grundrechten zu schreiben…

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