Marie Bornickel

Posts Tagged ‘Island’

Zu Gast bei Freunden

In Schwerelos on Oktober 18, 2011 at 3:07 pm

Nein, es geht nicht um Fußball, auch wenn das Zitat so anmuten lässt. Hier ist endlich der versprochene Bericht von der Frankfurter Buchmesse. Warum also zu Gast bei Freunden? Betritt man den Pavillion des Gastlandes Island, befindet man sich in einem Wohnzimmer. Statt Aussteller und Messestände trifft man hier im schummrigen Licht auf alte Bücherregale, Sofas und Sessel. Das alles ist zwischen großen Leinwänden positioniert. Darauf lesen Isländer in ihren Privatbibliotheken aus ihren Lieblingsbüchern vor.

Copyright Benjamin Richter

Copyright Benjamin Richter

Zwischen all diesen Möbeln und der Bar gibt es Bücher. Sie stehen nicht nur in Regalen, sondern liegen aufgeschlagen auf dem Tisch, am Rand der kleinen Bühne oder auf der Sofalehne. Hier läd alles zum Lesen ein. Das ist eben Island – wer keine Privatbibliothek besitzt, der wird komisch angeschaut. Jeder Isländer kauft im Schnitt 8 Bücher im Jahr. Die isländischen Autoren kenne sich, die Insel ist klein. Das Schreibe ist nicht immer einfach: Auch wenn die Isländer soviel lesen, ist der Absatzmarkt recht klein. Trotzdem hegen die Isländer eine besondere Beziehung zu Erzählungen und Gesichten und lieben ihre Schriftsteller. Einer von ihnen ist Thorarin Eldjarn, der in diesem Jahr sein erstes Buch in Deutschland veröffentlicht hat. „Die glücklichste Nation unter der Sonne“ enthälte Kurzgeschichten über das isländische Völkchen. Seine Erlebnisse geben oft den Anstoß für seine Geschichten, erzählt er mir. Wir unterhalten uns über Island, die beste Reisezeit (August) und die Sprache des Inselvolkes. Zum Schluss halte ich neben einem signierten Exemplar seines Buches auch Max og Moritz in den Händen – die isländische Übersetzung des deutschen Klassikers. Übersetzt hat es übrigends Eldjarns Vater. Und in mir ist der Wunsch entfacht, die Isländer zu besuchen – vielleicht klappt es ja im nächsten Sommer. Eine Einladung zu Thorarin habe ich schon bekommen.

Islandbuchbotschafter

In Uncategorized on Oktober 16, 2011 at 8:10 pm

Im Rahmen der Frankfurter Buchmesse wurde gestern der Titel „Islandbuchbotschafter“ gemeinsam von Blogg dein Buch und der Buchmesse vergeben. Ich bin tatsächlich Buchbotschafter geworden und durfte Thorarinn Eldjarn treffen (dazu in den nächsten Tagen mehr). Auch eine Führung durch den spektakulären Islandpavillion stand auf dem Programm.

Buchbesprechung: Die glücklichste Nation unter der Sonne

In Schwerelos on Oktober 5, 2011 at 7:54 pm

Wie kann man Island kennen lernen, wenn man dieses Land noch nie besucht hat und auch in naher Zukunft nicht das Geld für eine Reise aufbringen kann? Man kauft sich ein Buch von Thórarinn Eldjárn, einem der besten Genschichtenerzählern Islands.

Foto: Conte Verlag

Foto: Conte Verlag

Die Frankfurter Buchmesse mit ihrem Ehrengast Island steht quasi vor der Tür. Hin ein in diesen „final Countdown“ kam die Überlegung – Wer sind die Isländer eigentlich? Neben dem wunderbaren Blog zum Gastland ( mehr dazu in den nächsten Tagen), las ich „Die glücklichste Nation unter der Sonne“ mit Begeisterung und stelle fest: Ich liebe die isländische Art zu schrieben. Dieses verhältnismäßig dünne Buch (155 Seiten) kommt mit 13 Kurzgeschichten daher, die Einblick in Kultur und Mentalität der Inselbewohner geben. Wie lebt es sich also auf einer Insel am Rande Europas, viele Seemeilen entfernt vom Festland? Gut, wird der Leser feststellen, wenn er „Die Zauberformel“ gelesen hat. Die Isländer sind tatsächlich die glücklichste Nation der Welt. Das belegen offizielle Umfragen. Aber sie haben noch viel mehr zu bieten: die meisten Schachgroßmeister zum Beispiel, oder die beste Opernsängerin – gemessen an der Bevölkerungszahl. Dass diese scheinbar nicht mal die Behörden genau kennen, wie sich im weiteren Verlauf der Geschichte zeigt, ist nicht weiter dramatisch. Schließlich könnte man ja auch die Geister mitrechnen, die in den leerstehende Neubaugebieten wohnen. Geister hin oder her, auch die Isländer haben viel zu berichten. Sei es vom Untergang eines Bigbankers oder dem Traum vom großen Geld.

"Ivar Boson" / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc-nd)

"Ivar Boson" / http://www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc-nd)

Eldjárn versteht es vortrefflich, den Leser zu unterhalten. Nüchtern, versteckt im Nebensatz, kommt sein Humor daher, bereit den Lesenden an jeder denkbaren und undenkbaren Stelle anzuspringen. Für den Autor gibt es nichts Schlimmeres, als das Lachen zu verlernen. Das kann man in „Lachen erwünscht“ schnell herausfinden.

Bei allem Humor haben die Geschichten eine Botschaft. Oft ist sie gut versteckt, erst auf den zweiten Blick zu erkennen. Das ist bei der letzten Geschichte „Die Hohnstange“ der Fall. An anderer Stelle ist es die Moral offensichtlicher. „Der Besitzer“ zählt zu ihnen oder auch mein Lieblingsgeschichte „Die Taschenkrise“, in der eine junge Künstlerin mit einem Schild die Wirtschaft lahm legt. Das Fazit hier übrigens: „Niemals selbstverständliche Dinge sagen, denn sie verstehen sich von selbst“ (S. 38).

Ich kann dieses Buch wärmstens weiterempfehlen, obwohl der Preis recht hoch (14,90 Euro) ist. Wer nordische Autoren mag und die eigensinnige Lebenswelt der Isländer kennen lernen möchte, muss Eldjárn lesen. Jetzt freu ich mich, den Autor auf der Buchmesse zu treffen.

5 von 5 Sterne

Mit dieser Rezension nehme ich am Wettbewerb „Islandbotschafter“ teil. Ich würde mich freuen, wenn ihr den Beitrag kommentiert, liket oder ratet.

Die glücklichste Nation unter der Sonne ist im Conte-Verlag erschienen. Hier kann man das Buch bestellen.

Diese Rezension entstand im Rahmen von Blogg dein Buch.