Marie Bornickel

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Buchbesprechung: Der Joker

In Schwerelos on Juni 14, 2011 at 9:19 am

Was würdest du machen, wenn du auf einmal mitten in einem Banküberfall stecken würdest und die Möglichkeit hättest, den Täter zu stellen?
Was tust du, wenn plötzlich ein Karo-Ass mit drei Adressen in deinem Briefkasten liegt? Hinfahren?
Was machst du, wenn du bei den Adressen lauter unglückliche Menschen triffst? Helfen?

"Emily Volbert" / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc)

"Emily Volbert" / http://www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc)

Spielkarten
Vor diesen Fragen steht Ed. Ed, 19 Jahre (laut Führerschein 20), ein ganz normaler Taxifahrer, durchschnittlich, allein lebend, nicht weiter bemerkenswert. Alles beginnt damit, dass er die Waffe des Bankräubers auf diesen hält und so der Polizei den wohl ungeschicktesten und unglücklichsten Kriminellen der Stadt liefert. Kurz darauf findet er die erste von insgesamt 5 Spielkarten – das Karo-Ass. Ed weiß selbst nicht so genau, was ihn dazu bewegt, diese Adressen zu suchen. An jeder Adresse warten andere Menschen, und vor allem völlig unterschiedliche Aufgaben. Das Ed selbst heraus finden muss, was denn nun seine Berufung an diesem Ort ist, macht die Sache nicht leichter. Doch er stellt sich allem, was der unbekannte Drahtzieher von ihm verlangt. Menschen werden glücklich, die Karte erfüllt. Doch kurz darauf folgt die nächste Karte, diesmal das Kreuz-Ass. Mit den weiteren Karten werden nicht nur die Aufgaben schwerer, sondern auch die Entschlüsselung der Adressen. Welcher Adressat verbirgt sich denn schon hinter Fersengeld, Morris West oder dem Berg der Brüder?
Und dann ist da ja auch noch Eds normales Leben. Ein trostlose Dasein ohne Freundin, denn seine Angebetete Audery hat sich ausgerechnet vorgenommen, niemanden mehr zu lieben. Seine Mutter scheint ihn zu hassen und behandelt ihn dementsprechend wesendlich schlechter als seine Geschwister. Die Ausbildung fehlt Ed genauso, sodass er für ein Taxiunternehmen fahren muss, und wenn er abends (oder morgens) von der Schicht nach Hause kommt, wartet nur sein stinkender Hund Türsteher auf ihn.

Hättest du die Courage?
Das Buch hat mich so sehr berührt, wie es nur selten passiert. Diese ganzen Personen sind so liebenswert beschrieben. Vor allem Ed gefällt mir. Wenn man einmal nachdenkt, wer von uns hätte ganz ehrlich die Courage, einen Mann davon abzubringen, seine Frau zu vergewaltigen? Noch dazu, wenn dieser drei Köpfe größer als man selbst ist??? Ed tut es, meistens sogar, ohne lange darüber nachzudenken.
Markus Zusak hat es geschafft, sowohl einen Rahmen um die Geschichte zu spannen, als dem ganzen Buch ein bisschen Kartenspielcharme zu geben. So werden die Kapitel nicht schnöde von 1-… durchnummeriert, sondern jeder Karte ein Erzählteil gegeben und die Kapitel mit Ass anfangen zu lassen, damit sie dann bei König enden. Nebenbei beziehen sich die Aufgaben immer mehr auf Ed selbst und sein Leben. Am Ende des Buches steht der Satz: „Ich bin die Botschaft“. Das Bezieht sich auf Ed, aber eigentlich sagt das auch sehr viel über das Buch aus. Das Buch ist eine Botschaft an alle, die in der heutigen Zeit leben. Eine Botschaft, mehr Zivilcourage zu zeigen und das Ego-Denken ein wenig einzuschränken – und das ganz ohne mahnenden Zeigefinger.

Erschienen bei: Cbj

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