Marie Bornickel

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Blick hinter die Kulissen

In Schwerelos on Juli 20, 2011 at 10:44 am

ARD-Auslandstudio in Paris (Teil 1)

„Schalten wir nun live zu meinem Kollegen nach Paris. Hr. Strempel, wie reagieren die Franzosen auf diese Ereignisse?“ Auslandskorrespondenten sind unersetzliche Quellen, will man an O-Töne oder Momentaufnahmen aus erster Hand. Doch nicht nur Live-Schaltungen zählen zu den Aufgaben der Korrespondenten. Reportagen, Modemagazine und Hintergrundberichte gehören ebenso zum täglich Brot. Dabei sind Auslandsstudios verhältnismäßig dünn besetzt: 8 Personen zählt ein Büro in der Regel. Hier arbeiten zwei Moderatoren, zwei Techniker, zwei Kameraleute und zwei Cutter.

Fern von Prunk und Glamour

Besucht man Michael Strempel in seinem pariser Büro nah der Champs Elyseé, findet man sich in vier kleinen Räumen im 7. Stock wieder. Vor dem Greenscreen im einzigen Studio sitzt eine Puppe „um die Kamera auszurichten“, wie der Techniker erklärt. Wer bei dem Wort „Studio“ an einen weitläufigen, modernen Raum gedacht hat, liegt falsch. Eine einsame Kamera ist auf den Sprecher gerichtet. In der Ecke steht eine Werkbank, ein paar Tische in der anderen. An der Wand hängt ein Vorhang mit dem Eiffelturm als Fotodruck. Ein Relikt aus alten Zeiten. Nachdem die teure Technik gekauft war, konnte man eben nicht so viel aufhübschen. Immerhin sind der Aufenthaltsraum und die Büros gerade renoviert worden.

Ein ganz besonderer Schatz

Korrespondenten sind teuer. Viele private Sender greifen daher lieber auf Agenturmeldungen zurück. Der Nachteile: Mein sieht und liest überall die gleiche Meldung. Die Auslandsstudios sind „ein besondere Schatz“ so Strempel. Sie erlauben, Auslandsthemen stärker in den Sendeplan einzubringen. Themen, wie aktuell der „Prozess Dominique Strauss-Kahn“, können noch einmal ganz anders aufgearbeitet werden. Schließlich wird DSK nun wieder als möglicher Präsidentschaftskandidat gehandelt. 60 – 70 Prozent der Berichterstattung berührt politische und gesellschaftliche Themen. Der Boulevardteil ist deutlich geringer, aber dennoch vorhanden. Man muss als Korrespondent alle Ressorts bedienen, Herausforderung und Segen zugleich. „Sie können nicht einfach sagen, dass mach ich nicht mehr“,beschreibt Strempel seinen Job. Im selben Atemzug gibt er auch zu, dass „Auslandskorrespondent“ ein attraktiver Beruf ist. Nahezu jeder möchte aus dem Ausland berichten. Um sich für den Job zu eignen, muss man die Sprache des zukünftigen Gastlandes soweit beherrschen, dass man sich verständigen und die aktuelle Presse verfolgen kann. Politische Interesse und Grundkenntnisse über die Kultur sind ebenfalls von Vorteil. Der Weg ins Ausland ist steinig. Korrespondentjobs werden als einzige Stelle beim ARD nicht offen ausgeschrieben. Die Führungsebene, also der Auslandschef und der Chefredakteur suchen sich ihre Korrespondenten aus. Daher genießen die Auslandsberichterstatter hohes Ansehen unter den Kollegen.

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