Marie Bornickel

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Freiheit à la Internet

In Botengang on Juni 13, 2011 at 11:28 am

Was täten wir nur ohne das Internet? DIE Erfindung des 20. Jahrunderts hat uns so manche Tätigkeit vereinfacht: Abends den Wetterbericht verpasst? Kein Problem, mein google-Kalender hat die entsprechende Vorhersage eingebaut. Die ist auch viel genauer als die tagesschau – hier zeigt man mir das Wetter in meiner Stadt. Ein letzter Blick auf Wikipedia und das Referat über Hauterkrankungen ist fertig. Die Online-Enzyklopädie weiß schließlich alles, da brauch ich nicht denken. Ein Blick ins Nachrichtenportal: „90 Prozent der wissenschaftlichen Texte im Internet über Medizin sind fehlerhaft“ – Da hat wohl jemand vergessen, seine Infos vorher bei Wikipedia nachzuschlagen. Wie gut, dass ich schlauer bin! Den Nachmittag verbringe ich bei facebook und kommentiere Fotos, Post und Terminvorschläge. Hier gibt es auch die wirklich wichtigen News: Sarah hat sich von Tim getrennt (oder andersherum?) und Sven testet gerade die Qualität von Klopapier.

Sekretär, Entscheidunghelfer, Lebensplaner

Überhaupt hat das World wide web eine wichtige Funktion in meinem Leben: Es nimmt mir so viele Entscheidungen ab. Wenn ich nicht weiß, wer auf meine Party kommen soll, poste ich das bei facebook. Dann entscheidet eben jeder selbst, ob er dabei sein will. Fremde Leute kennenlernen ist auch spannend, warum also keine öffentliche Veranstaltung aus meinem Geburtstag machen?

Jonas Kako" / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc)

Jonas Kako" / http://www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc)

Will ich Nachrichten aus der richtige Welt, suche ich mir einen Livestream. Ob Bundesliga, Ehec-Skandal oder Arabischer Frühling, auf meinem Bildschirm bauen sich minutenweise Nachrichtenhäppchen auf. Hoffentlich wird es dramatischer, wenn ich immer wieder auf „aktualisieren“ drücke.

Steuerungszentrale: Mein Bett

Wer sich mit mir treffen will, soll einen Blick in meinen Online-Kalender werfen. Da kann er sich auch gleich einen Zeitblock reservieren. Ich werde eine Stunde vor dem Termin per Mail informiert. Die Funktion ist besser als jede Sekretärin. Gebe ich in entsprechende Suchmaschinen ein paar Informationen ein, wird mir mein Abendprogramm vorgeschlagen. Ist mal nichts dabei, streame ich eben bei kino.to – das ist gar nicht so illegal wie alle immer behaupten. Mir ist zumindest noch nichts passiert.

 

"Julian Beger" / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc)

"Julian Beger" / http://www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc)

Brauche ich mal Hilfe, treffe ich meine Community. Wissen die auch nicht weiter gibt es ja noch Foren. Hier kann ich meinem eigenen Ego fröhnen. Kaum habe ich einen Beitrag à la „Warum brennen meine Kerzen unterschiedlich schnell ab?“ gelesen, steigt mein IQ in der Selbstwahrnehmung. Das Internet ist schon was Tolles: Rezeptvorschläge für’s Mittagessen, Klamotten und Freunde – ich muss nicht mal aus dem Haus gehen. Bin ich mal nicht so gut drauf, bleibe ich eben mit dem Laptop im Bett. Wie frei hat mich doch das Internet gemacht!