Marie Bornickel

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Die Komödie der Eitelkeit

In Schwerelos on Juni 6, 2011 at 6:32 pm

Der Tag beginnt mit dem Blick in den Spiegel. Zähne putzen, Make-Up, Haarkämmen – ein Blick in unser eigenes Gesicht versichert uns, dass wir „so“ aus dem Haus gehen können. Im großen Schaufenster an der Ecke wird nochmal die Frisur überprüft. Später ziehen wir den Lippenstift auf der Toilette nach. Eitel? Wir doch nicht!

Was würde aber passieren, wenn Spiegel abgeschafft werden? Wer traut sich dann noch aus dem Haus? Womit wird dem Ego dann gefröhnt? Elias Canetti, Literaturnobelpreisträger, schreibt die Komödie der Eitelkeit und schafft eine künstliche Welt ohne Spiegel. Es gibt weder Fotos, noch Portraits noch Kameras. Spiegelnde Gegenstände werden abgestumpft. Die Gesellschaft macht mit. Lehrer, Pfarrer, Arbeiter – sie alle verbrennen ihre Fotos mit Freude. Auf die Spiegel wird mit Bällen geworfen – ein Schlag ins eigene Gesicht. Zehn Jahre später. Man ringt um jede Schmeichlei, buhlt um Komplimente für die eigene Schönheit. Wenn schon das eigene Spiegelbild keine Auskunft über die eigenen Äußerlichkeiten gibt, so soll das doch bitte der Nächste tun. Hausierer zeihen mit Spiegelscherben durch die Straßen, verkaufen das Verbotene zu horrenden Preisen. Die Spiegelkrankheit breitet sich aus. Verdientman gut, besucht man das Spiegelkabinett, ein ehemaliges Bordell.

„Die Komödie der Eitelkeit“ heißt die aktuelle Produktion der Oberstufen Theater-AG des Gymnasium Josephinum in Hildesheim. Wer sich auf Konfrontationskurs mit der eigenen Eitelkeit begeben möchte, ist am 20., 21. und 23. Juni um jeweils 19.00 Uhr herzlich dazu eingeladen. Kartenpreis: 5 Euro, ermäßigt 3 Euro.