Marie Bornickel

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Projekt Bachelorarbeit – Feedback

In Schreibprojekt on November 27, 2014 at 12:39 am

Hat man mehrere Semester hinter sich, steht irgendwann die Bachelorarbeit ins Haus. Dieses große Schreibstück erscheint dann, bei allen gelernten Schreib- und Recherchestrategien, wie ein riesiger Berg. Da hilft es, nach und nach die vergrabenen Methoden hervorzuschaufeln und sich dem eigenen Können bewusst zu werden. Denn nur durch das Schreiben über das Schreiben kann man das Schreibhandwerk lernen und den ersten Schritt in Richtung Gipfel unternehmen. Solche kleinen Überlegungen werden hier nach und nach entstehen (und dem Blog hoffentlich wieder Leben einhauchen).

Feedback

Auf den ersten Blick scheint es vielleicht merkwürdig, gleich im ersten Beitrag über Feedback zu schreiben. Ist das nicht der Schritt, der ganz zum Schluss kommt? Dann, wenn die Texte geschrieben, die Korrekturen gemacht und die Arbeit so gut wie abgegeben ist? Das ist gleichzeitig richtig und falsch. Ja, die Note gibt es erst ganz am Ende. Doch kann man eine Note als Feedback bezeichnen? Ich denke nicht. Feedback sollte den ganzen Schreibprozess begleiten. Schon die ersten Ideen, Eingrenzungen und Fragestellungen sollten mit einem Betreuer gesprochen werden. Natürlich hat das zunächst inhaltliche Gründe: Ich sichere mich ab, wenn ich schon früh bespreche, was der Prüfer sich wünscht und welche Literatur und Theorien er für unentbehrlich hält. Doch geht der Feedbackprozess weit über das eigentliche Schreiben hinaus. Es gibt mir das Gefühl, nicht ins Leere zu schreiben. Mit meinem Schreibprojekt bin ich nicht alleine, ich habe eine Resonanz. Bei allen Schreib- und Rechercheaufgaben der Vergangenheit war es doch die größte Hürde, wenn sich niemand anderes für die Arbeit interessiert hat. Dann zogen sich die Fristen, die Abgabe wurde Woche um Woche herausgezögert, das Schreiben machte keinen Spaß mehr. Ohne Feedback zu arbeiten bedeutet, dass die eigenen Arbeit nicht wertgeschätzt wird. Wie aber Feedback einfordern?

Rückmeldungen einfordern

In den Jahren an der Uni habe ich nicht nur an Seminaren und Tutorien teilgenommen, sondern auch selbst welche gleitet. Die meisten davon hatten zumindest in einigen Sitzungen das Schreiben an der Uni zum Thema.

Ich habe versucht, meinen Teilnehmern zumindest einige grundlegenden Punkte zu vermitteln:

  • Spätestens an der Uni bist du für dein Handeln selbst verantwortlich. Deshalb musst du dein Feedback auch selbstverantwortlich einfordern.
  • Wenn du Feedback möchtest, sag ganz genau, worauf die Rückmeldung sich beziehen soll. Möchtest du, dass die Argumentation überprüft wird? Der rote Faden? Der Stil? Die Rechtschreibung? Dein Feedbacker weiß nicht, was genau er überprüfen soll. Deshalb gibt es in vielen Fällen nur Rückmeldung auf Formalia. Sagst du genau, welche Punkte sich dein Gegenleser ansehen soll, dann habt ihr beide mehr davon.
  • Halte deinen Betreuer kontinuierlich auf dem Laufenden.
  • Gehe gut vorbereitet in die Sprechstunden. So hat keiner das Gefühl, dass die Besprechungen nur Zeit verschwenden.
  • Denke daran: Es ist dein gutes Recht, Rückmeldungen und Betreuung einzufordern.

Noteninflation – Zwischen Leistungsdruck und Selbstselektion

In Botengang on Juli 1, 2013 at 10:05 am

Kommentar

"Fritz Schumann" / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by)

„Fritz Schumann“ / http://www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by)

80 Prozent der Studenten verlassen die Deutschen Unis mit der Note sehr gut oder gut. An diesen Zahlen ist wenig zu rütteln. Wer das bloße Ergebnis jedoch zum Anlass nimmt nach härterer Benotung zu rufen, verkennt den Mechanismus hinter den immer besseren Noten. Gute  Noten müssen nämlich nicht per se mit lascher Bewertung zusammen hängen. Der Bewertungsspielraum bei Klausuren ist  sehr eng gesteckt. Hier zählen die richtig beantworteten Fragen. Je nach erreichtem Prozentanteil werden dann die Noten vergeben, die Prozentsätze sind für alle Klausuren über alle Fächer annähernd gleich. Hinzukommt dass viele Klausuren zum großen Teil aus Multiple-choice-Fragen bestehen. Von einer großzügigen Auslegen von Antworten kann nicht die Rede sein, von einem aufgeweichten Bewertungssystem ebenfalls nicht.  Jeder Student schreibt durchschnittlich drei bis vier Klausuren pro Semester. In einigen Fächern wie Medizin und Wirtschaftswissenschaften liegt der Durchschnitt noch höher.  Ein großer Teil der Bachlor-Note setzt sich also aus Klausurennoten zusammen.

"Patrick Wolfrom" / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc)

„Patrick Wolfrom“ / http://www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc)

Warum aber schneiden Studenten in Klausuren vermeintlich so gut ab? Die Antwort liegt in der Selbstselektion der Studenten. Um überhaupt studieren zu können, muss der NC erreicht werden. In den letzten Jahren wurden, angesichts von Doppeljahrgängen und Abschaffung der Wehrpflicht , immer mehr Studiengänge mit Zulassungsbeschränkungen versehen. Generell stiegen die NC-Werte in Deutschland an. Sprich: Nur sehr gute Schüler nehmen ein Studium auf und bringen auch weiterhin gute Leistungen. Das Filtersystem setzt sich dann an der Uni fort. Wer dreimal durchfällt, wird exmatrikuliert und kann sein Fach an keiner anderen Uni mehr studieren. Damit fällt er oder sie aus der Noteninflationsstatistik heraus. Aber auch wer nicht dreimal an der Klausur gescheitert ist, bricht sein Studium manchmal ab. Sei es, weil fünf Klausuren mit einer 4,0 im Abschlusszeugnis nicht so gut aussehen oder der Studiendruck zu groß wird. 28 % der Studierenden haben laut Hochschulinformationssystem ihr Studium im Jahr 2010 abgebrochen. Bis zum Bachlor- oder Masterabschluss schaffen es also nur die Besten. Die haben dann, erwartungsgemäß, auch die besseren Noten.  Statt über den Verfall des Bewertungssystems zu diskutieren, sollte Politik und Wissenschaft lieber über Abbrecherquoten und Leistungsdruck an den Universitäten nachdenken. Das sind die tatsächlichen Probleme, die sich hinter dem vermeintlichen Bewertungsverfall verstecken. Von einer Noteninflation jedenfalls sind die deutschen Universitäten weit entfernt.

Dieser Kommentar erschien im Freien Unimagazin Scheinwerfer.